Phase der schleichenden Universitätsgründung

Das damals noch für Hochschulen zuständige Kultusministerium und die Medizinische Akademie ziehen an einem Strang, um die Akademie zu einer vollwertigen Universität mit drei Fakultäten (Medizin, Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften) auszubauen.

Die Erweiterung des klinischen Studienangebots um einen vorklinischen Studienabschnitt erfordert die Schaffung naturwissenschaftlicher Lehrstühle (Physik, Chemie, Biologie, Anatomie, Physiologie, Medizinische Psychologie). Auch aus Sicht einer interdisziplinären medizinischen Forschung hat sich ein wachsendes Interesse dafür entwickelt. Schnell schließt man jedoch aus, Naturwissenschaften als bloße Ergänzung zur Medizin anzusehen. Sie sollen vielmehr in die Lage versetzt werden, eigenständig zu forschen und zu lehren.

Auch sollen Studierende das Staatsexamen mit dem Ziel des Lehramts ablegen können. Damit die möglichen Fächerkombinationen für Lehramtskandidaten nicht allzu sehr eingeschränkt werden, soll die Philosophische Fakultät ein breites Angebot an Fächern – wie Geschichtswissenschaft, Germanistik, Anglistik, Romanistik, Soziologie – anbieten können. Somit wird die Gründung einer ganzen Reihe neuer Lehrstühle erforderlich.

Da das Land Nordrhein-Westfalen gleichzeitig, wie in Bielefeld und Bochum, mehrere Universitätsgründungen und -ausbauten betreibt, kann dieser Plan jedoch nicht ohne weiteres finanziert werden.

Kultusminister Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Paul Mikat – seit 1978 wegen seiner Verdienste um die Universitätsgründung auch Ehrensenator der Heinrich-Heine-Universität – ‚umschifft‘ das Problem, indem er ohne feste Finanzierungszusage zunächst einmal nur die bloße Umbenennung der Akademie in „Universität“ sowie den Aufbau zweier neuer Fakultäten forciert.

Unter seiner Federführung wird bis Ende 1965 ein Ausbauplan erarbeitet, der bereits eine maximale Studierendenzahl von 5.000 vorsieht.

Quelle: ULB

29
Aug
1965
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