Nationalsozialismus

Die Eingriffe der NSDAP in alle Lebensbereiche machen auch vor der Medizinischen Akademie in Düsseldorf keinen Halt. So wird neben wissenschaftlicher Leistung das Vorliegen einer positiven politischen Beurteilung zur Voraussetzung für die Habilitation.

Auswüchse der nationalsozialistischen Ideologie bilden seit 1933 auch die Gesetze zur „Verhütung erbkranken Nachwuchses“ und zur „Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“. Letzteres war die höchst verharmlosende Umschreibung der Ausgrenzung jüdischer Mitbürger aus der Gesellschaft.

Bei Verdacht auf Vorliegen einer als erblich klassifizierten Krankheit wird entweder freiwillig oder zwangsweise sterilisiert. Ärzte sind gezwungen, der nationalsozialistischen Interpretation von „erblich“ Folge zu leisten. Krankenhäuser können eine Ermächtigung zur Durchführung von Sterilisationen beantragen. Hebammen sind verpflichtet, „missgestaltete“ Säuglinge anzuzeigen. Das Urteil „lebensunwertes Leben“ führt zur Ermordung solcher Kinder.

In wieweit diese gesetzlichen Vorgaben umgesetzt werden, hängt von dem Willen und der Kraft der in letzter Instanz verantwortlichen Persönlichkeiten ab, dem Druck der Obrigkeit stand zu halten.

Zwei Beispiele:

So gibt es in der Frauenklinik den linientreuen Oberarzt Dr. Siegert, der zum Schaden der Frauen sogar Sterilisierungen mittels Röntgenstrahlen durchführt. Es gibt allerdings keine konkreten Belege mehr für eine aktive Rolle der Ärzte der Frauenklinik nach seinem Weggang.

Der damalige Leiter der Augenklinik, Prof. Custodis, weigert sich hingegen, eine Auswertung seiner Patientendatei im Hinblick auf erbliche Krankheiten durchzuführen und hat Erfolg damit.

Insgesamt verliert ein Fünftel der Ärzte- und Dozentenschaft die Stelle. Darunter auch der Schwiegersohn Schlossmanns, Dr. Eckstein, und der Pharmakologe Professor Ellinger, der später Karriere in London macht. Als einziger wird Professor Erich Boden, vor dem Krieg Leiter der Medizinischen Poliklinik, rehabilitiert. Er überlebt die Naziherrschaft in einem Versteck in Büderich (Meerbusch) und wird nach dem Krieg zum Leiter der Medizinischen Klinik berufen, wo er bis Mitte der 50er Jahre tätig ist. Von 1947 bis 1948 fungiert er zudem als Rektor der Akademie.

Quelle: ULB und HHU

27
Aug
1933
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