Erster klinischer Unterricht in Düsseldorf

Die Düsseldorfer Akademie für Praktische Medizin nimmt 1919 mit vorläufiger Genehmigung den klinischen Unterricht auf.

Die geplante Einführung eines Unterrichts für die klinischen Semester des Medizinstudiums scheitert zunächst und kann erst nach Beendigung des Ersten Weltkriegs aufgenommen werden, wobei die Initiative von Kriegsheimkehrern mit Notapprobationen eine gewichtige Rolle spielt. Sie wollen nun ihr Medizinstudium regulär beenden.

Schräg gegenüber von Heinrich Heines Geburtshaus in der Bolkerstraße befindet sich eine jener Gaststätten, in der „25 aus dem Kriege heimgekehrte Düsseldorfer Medizinstudenten im Frühjahr 1919 eine Denkschrift“ verfassen. „Diese ist ein wesentlicher Beitrag zur Gründung der Medizinischen Akademie, der jetzigen Universität Düsseldorf“, wie es auf der Bronzetafel über dem Eingang der Wirtschaft heißt. Hinten, im Gastraum, gibt es über blankgescheuerten Tischen eine Wandecke mit Fotos und kopierten Dokumenten, darunter die Immatrikulationsliste für das Sommersemester 1919, die Namen in steiler Sütterlinschrift zeigen.

Nach dem Ausrufen der Republik im November 1918 ist Düsseldorf von Chaos bedroht. Arbeiterrat und Verwaltung kollidieren ständig. Im Januar 1919 suchen die Spartakisten die Entscheidung nach dem Vorbild der russischen Revolution. Es gibt Geiselnahmen, Massendemonstrationen, 14 Tote, Schwerverletzte, der Generalstreik wird ausgerufen.

Am 28. Februar rückt im Auftrag der Regierung ein Freikorps in Düsseldorf ein und übernimmt gewaltsam die Macht. Dennoch kommt es bis in den April hinein mit den Spartakisten zu schweren
Straßenkämpfen. Oberbilk wird mit Artillerieunterstützung vom Hauptbahnhof aus regelrecht erobert.

Ein Medizinstudium unter diesen Bedingungen?
Aus den Schützengräben des 1. Weltkriegs waren auch jene Soldaten zurückgekehrt, die in Düsseldorf einmal ihr Medizinstudium begonnen hatten. Bereits während des Krieges hatte es in der 1907 gegründeten Akademie für praktische Medizin Überlegungen gegeben, nach dem Krieg diese Soldaten durch besondere Kurse zum Examen zu führen. Unmittelbar nach Abschluss des Waffenstillstandes tritt deshalb der Akademische Rat, das höchste Gremium der Ausbildungsstätte, zusammen, um das damalige Vorhaben in die Wege zu leiten.

Geheimrat Prof. Dr. med. Dr. jur. h.c. Arthur Schlossmann, Mitglied der Demokratischen Partei und Abgeordneter im neuen Preußischen Landtag, nimmt in Berlin mit dem Kultusministerium Gespräche auf. Nach erfolgreicher Verhandlung sendet er am 22. März 1919 ein Telegramm nach Düsseldorf: „Sommersemester und anschließend nochmaliges Zwischensemester an Akademie practische Medizin werden angerechnet werden. Mitteilung an Presse anzuraten.“ Allein aufgrund dieses Telegramms beginnt am 7. Mai der klinische Unterricht. Die Ausbildung an der Düsseldorfer Akademie ist vollwertig auf das Studium der Medizin anrechenbar geworden.

Später wird Arthur Schlossmann der Direktor der Düsseldorfer Kinderklinik. Sie wird unter seiner Leitung im Deutschen Reich das führende Institut seiner Art und heißt bis heute das Schlossmann-Haus.

Quelle: HHU, STAATSHOCHBAUAMT FÜR DIE UNIVERSITÄT DÜSSELDORF (Hrsg., 1970). Universität Düsseldorf. Gesamtplanung 1970. Düsseldorf, S.8

27
Aug
1919
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